Dem numerischen Modell liegen die vollständigen Navier-Stokes-Gleichungen für inkompressible, dreidimensionale, laminare Strömung zugrunde, die dann unter Einsatz eines Großrechners (Cray-2) gelöst werden. Das numerische Verfahren unterscheidet sich von anderen Verfahren, die mit dem zeitlichen Modell arbeiten, durch die Vorgabe von Ein- und Ausströmrandbedingungen und die Verwendung von finiten Differenzen in Strömungsrichtung und in der Richtung senkrecht zur ebenen Platte. Durch Verwendung periodischer Randbedingungen in Querrichtung kann in der dritten Richtung ein Spektralansatz verwendet werden. Die diskretisierten Wirbeltransportgleichungen werden mit einem expliziten Verfahren gelöst. Die Poissongleichungen für die Geschwindigkeitskomponenten werden so formuliert, daß sie zum Teil direkt und zum Teil mit einer Mehrgitter- (multi-grid) Methode iterativ berechnet werden können.
Es wird eine numerische Simulation vorgestellt, die quantitativ mit den Experimenten von Kachanov et al. [6] und qualitativ mit anderen Experimenten verglichen werden kann. In der numerischen Simulation des Strömungsfelds läßt sich sowohl der in Experimenten (z.B. [3, 11]) identifizierte Λ-Wirbel als auch die Entstehung von Haarnadelwirbeln an der Spitze des Λ-Wirbels beobachten. Die numerischen Ergebnisse zeigen aber auch das über dem Λ-Wirbel liegende Gebiet hoher Scherung (high-shear layer), und daß die in Strömungsvisualisierungen beobachtete Spitze des Λ-Wirbels in das Gebiet hoher Scherung aufragt.
Bisher hat sich in der Fachliteratur nur Kachanov selbst [7] mit der Interpretation der Experimente [5-7] befaßt. Die vorliegende Arbeit stellt eine erste Bestätigung der in diesen Experimenten beobachteten Vorgänge dar. Beispielsweise haben die in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse die in [5-7] festgestellte Relevanz der höherharmonischen Störanteile bestätigt. Insbesondere wurde auch gezeigt, daß gerade diese Störanteile für die Ausbildung der "Spikes" in den momentanen Geschwindigkeitssignalen verantwortlich sind. Die "Spikes" entstehen demnach nicht durch eine plötzliche Amplitudenzunahme der höherharmonischen Störanteile, was als Hinweis auf eine Instabilität (z.B. Betchov [1], Greenspan & Benney [2], Landahl [8] oder Nishioka et al. [10]) angesehen werden müßte, sondern durch eine lokale Phasensynchronisation der Höherharmonischen.
Ein von Kachanov aufgestelltes Wellenresonanzmodell (wave resonance concept [7]) greift eine Untersuchung von Nayfeh & Bozatli [9] wieder auf, in der die Höherharmonischen eine wichtige Rolle spielen. Das Anfachungsverhalten der dreidimensionalen Störungen läßt sich mit diesem Modell qualitativ erklären. Eigene Berechnungen mit auf der Sekundärinstabilitätstheorie nach Herbert [4] aufbauenden Modellen zeigen, daß das von Kachanov vorgeschlagene Modell, das nur subharmonische Resonanzen zwischen den Höherharmonischen der Tollmien-Schlichting-Welle und den dreidimensionalen Störungen zuläßt, nicht vollständig ist. Vielmehr beschreibt ein am Institut A für Mechanik entwickeltes Modell der kombinierten Resonanz, bei dem außerdem die fundamentale Resonanz zwischen der Tollmien-Schlichting-Welle und dreidimensionalen Störungen berücksichtigt ist, die in den Experimenten [5-7] beobachtete dreidimensionale Störungsentwicklung wesentlich besser. Dieses Modell zeigt schließlich auch, daß die bei der Spike-Entstehung eintretende Amplitudensättigung dreidimensionaler Störanteile auf die zweidimensionalen Störanteile zurückgeht.
Schließlich wird noch, ausgehend von momentanen Geschwindigkeitsprofilen an der Peak-Ebene, die Möglichkeit der Spike-Entstehung durch eine Instabilität untersucht, dabei wird ein zu Betchov [1] vergleichbares Tertiärinstabilitätsmodell verwendet. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können die von Kachanov vertretene Ansicht zur Spike-Entstehung nicht widerlegen.
Source: http://www.iag.uni-stuttgart.de/people/ulrich.rist/URi_diss.html
30.12.1990