Morali
Das Projekt MORALI (Multi-Objective Robust Assessment of heLicopter Improvements) verfolgt drei unterschiedliche Zielrichtungen zur Verbesserung der Entwicklungsmöglichkeiten für neue Rotoren:
- Blattelementetheorie mit Dynamic Stall Modellen und Wirbelleiterverfahren
- Gekoppelte CFD/CSD-Simulationen mit Transitionsvorhersage und automatisierter Trimmung
- Automatisierte Optimierung von Geometrieparametern unter Einbeziehung von Surrogates
Schließlich ist es vorgesehen, die entwickelten Methoden auch einzusetzen,
um einen Rotor für spezifische Anforderungen auszulegen.
Die Arbeiten - insbesondere zur Optimierung - finden in enger Zusammenarbeit
mit der bulgarischen Firma MACROS Solutions Ltd. statt, Industripartner und
Impulsgeber als Verantwortlicher für den Call for Proposals im Rahmen des
JTI CleanSky (Green Rotorcraft) ist Eurocopter Deutschland.
Blattelementetheorie
In frühen Entwicklungsphasen sind schnelle, einigermaßen belastbare Ergebnisse
für verschiedene Entwurfsideen erforderlich, ohne Anspruch an allerhöchste
Genauigkeiten. Allerdings sollten wesentliche Abhängigkeiten von typischen
Parametern physikalisch korrekt abgebildet werden. Hierzu eignen sich
Blattelementeverfahren, die den Rotor spannweitig in Blattschnitte aufteilen
und jeweils einzeln Kräfte und Momente aus statischen Polaren bestimmen sowie
die Rückwirkung über die Nachlaufentwicklung auf den Rotor.
Der erste Arbeitspunkte hier besteht deshalb aus der Berücksichtigung
dynamischer Effekte, vor allem am rücklaufenden Blatt, wo kurzzeitig hohe
Anstellwinkel auftreten. Existierende empirische Modelle sollen hier genutzt
werden und ihren Einstellparameter an den Anwendungsbereich Rotor angepasst
werden.
Darüber hinaus besteht der Wunsch nach einer detaillierten Abbildung des
Rotornachlaufes - insbesondere der Randwirbel - über schnelle
Potenzialverfahren, die einen numerisch verlustfreien Wirbeltransport
gewährleisten. Betrachtungen zur Blatt-Wirbel-Interaktion unter
Berücksichtigung der elastischen Verformung können hier einigermaßen zügig
angestellt werden, und damit werden auch akustische Aussagen möglich.
CFD/CSD-Simulation
Die Königsdisziplin der Rotorsimulation besteht aus der Kopplung von
Strömungsmechanik und Strukturdynamik, verbunden mit der Trimmung von
Steuerwinkeln auf vorgegebene Kräfte und Momente. Damit können sehr
detaillierte Untersuchungen angestellt und hochgradig lokale (sowohl
räumlich wie auch zeitlich) Phänomene betrachtet werden, der dafür zu
treibende numerische Aufwand ist allerdings auch enorm.
Die Genauigkeit gilt es hier zu verbessern durch Berücksichtigung des
laminar-turbulenten Umschlages am Rotorblatt. Bislang wird im wesentlich
noch voll turbulent gerechnet, was zu einer systematischen Überschätzung des
Leistungsbedarfs führt. Bewährte Umschlagsmodelle für 2D-Profilströmungen
sind aber nur bedingt übertragbar auf den sehr instationären und
dreidimensonalen Fall des Rotorblattes.
Darüber hinaus besteht Bedarf an einer Beschleunigung und Zuverlässigkeit der
Trimmkonvergenz. Häufig ist unklar, nach wie vielen Rotorumdrehungen ein
hinreichend periodischer Zustand erreicht ist, um den nächsten Trimmschritt
zuverlässig in die richtige Richtung zu führen - so früh wie möglich, um
schnelle Konvergenz zu bekommen, aber gleichzeitig so spät wie nötig, um
Oszillationen zu vermeiden. Anstelle händischer Betrachtungen des Kraft- und
Momentenverlaufes sollen hier systematische Kriterien entwickelt werden zur
automatischen Erkennung eines geeigneten Zeitpunktes.
Optimierung
Die automatisierte Optimierung wird im wesentlichen vom Verbundpartner MACROS Solutions Ltd. getragen, die hierzu den von ihnen entwickelten Optimierer MACROS einsetzen. Da eine einzelne Funktionsauswertung in Form einer vollständigen CFD/CSD-Simulation enorm aufwändig ist, wird versucht, mit Hilfe von schnell auswertbaren Surrogate-Modellen die wesentlichen Abhängigkeiten von Geometrieparametern abzubilden. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist die Definition der Gütefunktion, die es zu optimieren gilt, und die nicht nur globale Kennzahlen wie den Leistungsbedarf enthalten sollte, sondern auch das nach der Simulation ja ohnehin vorhandene Strömungsfeld ähnlich eines erfahrenen Ingenieurs nach bekannten Eigenschaften für günstige oder weniger günstige Entwürfe untersucht. Beispielsweise wären hier zu nennen die Gleichförmigkeit der Schubverteilung über der Kreisscheibe, die Abwesenheit lokaler Lastspitzen, aber unter Umständen auch die Lärmentwicklung unter spezifischen Flugbedingungen.
