AirChain
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| Abbildung 1: Das aktuelle Konzept |
In Zeiten ständig zunehmenden mobilen Datenverkehrs mit immer
schnelleren Datenübertragungsraten und erforderlichen Bandbreiten steigt
die Notwendigkeit, neben den bereits bestehenden bodengebundenen und
satellitenbasierten Lösungsansätzen nach Alternativen zu suchen, die dem
Datenaufkommen der Zukunft gewachsen sind und eine flächendeckende und
kostengünstige Nutzung gewährleisten.Am
Institut für
Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen (ISD) wird
hierzu seit mehreren Jahren der Versuchsträger einer mehrsegmentigen
Luftschiffplattform ("Luftwurm") erprobt, die bestückt mit
Telekommunikationseinrichtungen in 20 km Höhe in der Stratosphäre
aufgrund der dort vorherrschenden günstigen Windverhältnisse möglichst
stationär über einem festen Punkt der Erde positioniert werden soll
(Abbildung 1). Bei entsprechendem Stand der Technik bietet sich hierfür
die Möglichkeit eines regenerativen Betriebs dieser Plattform.
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| Abbildung 2: Prototyp |
Die Flughöhe im Bereich von 20 km wurde gewählt, da diese zum einen
außerhalb des gewerblich genutzten Luftraumes bis etwa 15 km liegt, zum
anderen treten in diesem Höhenbereich die geringsten
Windgeschwindigkeiten in der oberen Stratosphäre auf. Diese liegen im
Mittel bei etwa 50 km/h im Sommer und 100 km/h im Winter, wobei
kurzfristig auch erheblich höhere Werte auftreten können. Wie bei den
meisten Fluggeräten kommt auch beim Entwurf von Höhenplattformen der
Minimierung der strukturellen Masse eine entscheidende Bedeutung zu.
Diese setzt sich beim unstarren Luftschiff aus der Masse der Hülle und
der Leitwerke sowie der Nutzlast zusammen. Die Hüllenmasse ergibt sich
hierbei aus dem maximalen inneren Überdruck, dem die Hülle standhalten
muss. Dieser maximale innere Überdruck setzt sich aus dem
Betriebsüberdruck und dem maximalen Differenzdruck des Traggases bei
großer Anstellung zusammen.
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| Abbildung 3: Strömungsmechanische Phänomene |
Der Betriebsüberdruck gewährleistet, dass das Luftschiff unter allen
Flugbedingungen den statischen Biegebeanspruchungen, die aus einer
ungleichmäßigen Verteilung von Auftrieb, Zuladung und Konstruktionsmasse
(insbesondere dem Leitwerk) entstehen, sowie den dynamischen
Biegebeanspruchungen standhält, die von den Leitwerks- und Munkmomenten
bei der Stabilisierung und Steuerung des Luftschiffs hervorgerufen
werden. Beide Biegebeanspruchungen und somit die Hüllenmasse steigen mit
zunehmendem Länge-Durchmesser-Verhältnis des Luftschiffs, wobei die
anteilmäßige Masse der Leitwerke abnimmt. Im Fall einer Kugel
verschwinden beide Biegebeanspruchungen, so dass zur Erzielung einer
möglichst geringen Hüllenmasse bei gleichzeitig hoher aerodynamischer
Güte fünf quasi-kugelförmige Segmente hintereinander angeordnet wurden.
Durch die lose Kopplung der Segmente untereinander ergibt sich hierdurch
eine zusätzliche Forminstabilität. Der mehrsegmentige "Luftwurm" kann
jedoch, wie in zahlreichen Flügen des Prototypen (Abbildung 2) unter
Beiweis gestellt, durch entsprechende Regelung mittels differentiellem
Schub der seitlich an den ersten drei Segmenten angebrachten Propeller
stabilisiert werden.
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| Abbildung 4: Konfiguration im Windkanal |
Zur Simulation aller Systeme dieser luftschiffgestützten Höhenplattform
wird im Rahmen des von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanzierten
AirChain-Projekts der Systemprüfstand IRON BIRD entwickelt. Dieser dient neben der
Dimensionierung der an Bord befindlichen Komponenten sowie der komplexen
Steurerung auch der ausgiebigen Erprobung des Gesamtsystems. Im Rahmen
dieses Projekts befassen sich die Arbeiten am IAG mit aerodynamischen
Problemstellungen.
Hierzu zählt unter anderem die Berechnung der Propellerkennfelder für
die bisher bestehenden Verstellpropeller. Diese sind seitlich an den
ersten drei Segmenten des "Luftwurm" angebracht und sorgen für den
nötigen Antrieb, wobei durch differentiellen Schub auch die
Stabilisierung und Richtungssteuerung des mehrsegmentigen Luftschiffes
realisiert wird.
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| Abbildung 5: Windkanalmodell |
Ein weiterer Arbeitspunkt umfasst die Bereitstellung der aerodynamischen
Beiwerte für den "Luftwurm". Diese dienen als Grundlage für die
flugmechanischen Modelle der Flugregelungssysteme. Obgleich heutige
theoretische Ansätze und deren Umsetzung in numerischen Simulationen
ständigen Verbesserungen unterliegen, ist die Validierung der erhaltenen
Ergebnisse mittels Windkanalversuchen nach wie vor ein wichtiger
Bestandteil im Entwurfsprozess eines Flugobjekts. Dies gilt insbesondere
für die sehr stark dreidimensionale und bei merklicher Anstellung durch
massive Wirbelschichtablösungen gekennzeichnete Luftschiffumströmung.
Diese stellt heutige Rechenverfahren noch immer vor große
Herausforderungen, vor allem bei den aufgrund der niedrigen möglichen
Fluggeschwindigkeiten unter Einfluss von Böen und Flugmanövern bei
großen Anstell- oder Schiebewinkeln häufig auftretenden instationären
Ablösungen.
Für neuartige Konfigurationen wie den "Luftwurm", bei dem die einzelnen
Segmente zusätzlich noch unterschiedliche Fluglagewinkel zueinander
annehmen können, entstehen somit insbesondere an den Knicken sehr
komplexe strömungsmechanische Phänomene (Abbildung 3).
Für solch mehrfach geknickte Konfigurationen existiert noch keine
aerodynamische Datenbasis, so dass zur Ermittlung der Beiwerte und zur
Validierung von Strömungslösern experimentelle Untersuchungen notwendig
sind. Die im Rahmen der Windkanalmessreihe zu untersuchenden
Konfigurationen zeigt Abbildung 4.
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| Abbildung 6: Modell im Windkanal |
Hierfür wurde für den
Böenwindkanal des Instituts ein 4m langes Windkanalmodell erstellt, an dem sich die erforderlichen Segmentwinkel einstellen lassen (Abbildung 5). Dieses besteht aus einem massiven inneren Tragegerüst mit darum rotierbar angeordneten, in
Faserververbundbauweise erstellten, Segmenthalbschalen. Neben den
Gesamtlasten auf die Konfiguration sind auch die Einzelsegmentlasten zu
ermitteln. Erstere werden mit Hilfe einer seilgestützten Modellaufhängung erfasst. Dabei ist das Modell, ausreichend ballastiert, an sechs mit einem Kraftaufnehmer ausgestatteten Seilen aufgehängt. Die aerodynamischen Lasten auf das Modell werden mittels der Seilkräfte und den Seilrichtungen bestimmt, wofür die einzelnen Tragseile jeweils mit drei reflektierenden Markern versehen sind, deren Positionen mit Hilfe eines photogrammetrischen Verfahrens erfasst werden (Abbildung 6). Die Einzelsegmentlasten lassen sich über eine Integration der Druckverteilung an der Modelloberfläche bestimmen.